Messsystem soll Patienten vor falsch verabreichten Infusionen schützen

Den Prototypen eines Messsystems zur Kontrolle zu verabreichender Infusionen auf Intensivstationen entwickelt eine Forschergruppe aus dem Laser-Laboratorium Göttingen (LLG) im Gründerzentrum Photonik Inkubator (PI). Rund 1 Mio. Euro stellt das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur für das Projekt zur Verfügung. Eine Firmengründung ist geplant.

Zur Gruppe „Patientensicherheit 4.0“ des Diplom-Ingenieurs (FH) Lars Gundrum gehören der Hardwareentwickler Julian Born und der Programmierer Zheng Wang, die bisher im LLG zum optischen Nachweis von Medikationen geforscht haben. Die kaufmännische Leitung übernimmt Fabian Dach. Die Gruppe wird in den kommenden 22 Monaten mit Hilfe von Dr. Josef Staub, dem Standortleiter des Photonik-Inkubator und seinem Team, ihre wissenschaftlichen Ergebnisse in einen Prototyp umsetzen und einen Businessplan aufstellen. Ein strategischer Industriepartner wird die Entwicklung begleiten. Als wissenschaftlicher Mentor steht ihnen Dr. Hainer Wackerbarth zur Seite, der die LLG-Abteilung Photonische Sensorik führt. Unterstützung gewährt die Universitätsmedizin Göttingen.

„Gemäß den Statistiken des Bundesverbands deutscher Krankenhausapotheker werden bis zu fünf Prozent der Arzneimittel nicht entsprechend der ärztlichen Verordnung zubereitet oder verabreicht“, schildert Gundrum das Problem. In den meisten Fällen gehe die fehlerhafte Vergabe von Infusionslösungen glimpflich aus. Gravierende Folgen bis hin zum Tod könnten solche Fehler dagegen bei Schwerkranken auf Intensivstationen haben. Die Vielzahl der dort verabreichten Medikamente und der Arbeitsdruck, der auf dem Pflegepersonal laste, erhöhten das Risiko. In Europa, USA und China gebe es mindestens 216.000 Intensivbetten, davon 26.000 Stück in Deutschland, umreißt Gundrum das Marktvolumen.

Das Messsystem, das die Inkubator-Mitarbeiter entwickeln wollen, verwendet optische Verfahren. Das Gerät zur automatisierten Erkennung von Infusionen soll Teil eines cyber-physischen Systems werden, das sich mit anderen Geräten und Informationssystemen des digitalen Krankenhauses vernetzt. So erfolgt der elektronische Abgleich mit der ärztlichen Verschreibung. Die damit verbundenen Synergieeffekte bieten Patientensicherheit 4.0.

„Das Interesse der Krankenhäuser an einem solchen System ist groß“, betont Gundrum. Der Bundestag habe nämlich 2013 die Rechte von Patienten gesetzlich gestärkt. Das Parlament trage damit dem Wandel vom vertrauenden Kranken zum selbstbewussten Beitragszahler und kritischen Verbraucher Rechnung. Das Patientenrechtegesetz erleichtere Schadensersatzklagen. Andererseits gewähre es Krankenhäusern Vergütungszuschläge. Bedingung: Sie müssten sich an Fehlermeldesystemen beteiligten, die verschiedene Einrichtungen übergreifen würden.

„Mit dem Projekt Patientensicherheit nimmt der Photonik Inkubator sein fünftes Projekt seit der Aufnahme der operativen Geschäftstätigkeit im Jahr 2014 auf. Der Photonik Inkubator als Tochter des Life-Science Inkubators in Bonn verfolgt das Ziel, Forschung und Entwicklung aus dem akademischen Bereich weiterzuführen und zu kommerzialisieren. Dabei konnte mit dem Gründungsbeschluss des Investmentgremiums vom November 2016 auch das erste aufgenommene Projekt aus dem Jahr 2014 zur Ausgründung überführt werden. Dies beweist nicht nur die Notwendigkeit, sondern auch den Erfolg des Konzepts des Photonik Inkubators“, so der Geschäftsführer des PI Dr. Fregien.

„Es ist immer wieder spannend und erfreulich zu sehen, wie wissenschaftliche Forschung in die Praxis umgesetzt wird. In den 30 Jahren, in denen das LLG als Mittler zwischen Forschung und Wirtschaft agiert, konnten schon vielfältige wissenschaftliche Ergebnisse in die Industrie einfließen“, freut sich LLG-Institutsdirektor PD Dr. Alexander Egner. „Mit dem Photonik Inkubator kann nun direkt und sehr schnell unser aus hochinnovativer Forschung stammender Prototyp zügig zur Marktreife und in eine eigene Ausgründung von Wissenschaftlern unseres Instituts überführt werden“, ergänzt er weiter. Das LLG begleitet den Photonik Inkubator als Mitbegründer, Zuwendungsempfänger und durch dessen Ansiedlung in seinem Technologiezentrum und vervollständigt damit die Bausteine zu einem erfolgreichen Technologietransfer. Die Nachbarschaft von anwendungsorientierter Grundlagenforschung im LLG, den auf Ausgründung hin arbeitenden Inkubator-Teams und den schon in der Expansionsphase befindlichen High-Tech-Unternehmen, die sich im Technologiezentrum eingemietet haben, lässt dabei neue Kooperationen und Synergien entstehen und leistet einen wesentlichen Beitrag zur Stärkung des Standorts Göttingen/Südniedersachsen.


Ansprechpartner im LLG:
Herr PD Dr. Alexander Egner, Institutsdirektor LLG 
Tel.: +49(0)551/5035-35, Mail: alexander.egner@llg-ev.de Mail:
www.llg-ev.de

Ansprechpartner im PI:
Julia Liebing, Leitung Projektmanagement
Tel.: +49(0)551/30724-135, Mail: liebing@photonik-inkubator.de
www.photonik-inkubator.de